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Nepal-Pagode München
Architekt Jochen Reier
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WERDEGANG DER NEPALESISCHEN
FRIEDENS PAGODE IN MUENCHEN IM RAHMEN DER INTERNATIONALEN GARTENBAUAUSTELLUNG (IGA’83)

PROJEKTBEGINN: JANUAR 1980 



Die Idee des Münchner Architekten Jochen Reier, eine  Nepalesische Friedens-Pagode nach original traditioneller Bauweise auf der IGA‘83 zu errichten, ist gereift. Um mit betreffenden Regierungen verhandeln zu können, gründet er die INTERESSENGEMEINSCHAFT ERHALTUNG ASIATISCHE KULTUR e.V. (Association Preserve Asian Culture – APAC) Der deutsche Botschafter in Kathmandu bekommt von Jochen Reier, Vorstand der APAC, ein Schreiben mit der Bitte, als Vermittler zwischen APAC, der BRD bzw. der IGA GmbH und HMG of Nepal einzutreten. Der Botschafter, Dr. Wolters ist damit völlig überfordert, lehnt ab. Allerdings springt sein Botschaftsrat ein, ist von der Idee begeistert und macht den ersten offiziellen Schritt, schreibt an das Bundespräsidialamt in Bonn.

APRIL 1980
  

Schreiben der APAC an die IGA ’83 mit dem Vorhaben, eine „Art Teehaus im Stil einer nepalesischen Pagode“ zu errichten. Anlage: Baupläne.

MAI 1980

   
Antwort der IGA (Prof. Dr. Marx) mit der Einwilligung zum Bau der Pagode.

JUNI 1980

Die nepalesische Botschaft in Bonn wird von der APAC über das Vorhaben informiert und um Stellungsname gebeten. Diverse Korrespondenz zwischen APAC, Botschaft und IGA.

SEPTEMBER 1980    

Reise nach Nepal, Treffen mit Minister-Kabinett HMG of Nepal. Foreign-Ministry; Ministry of Culture and Education; Forest Ministry; Ministry of Tourism. Verträge werden ausgearbeitet und APAC-Chairman Reier fertigt mit Hilfe von Schnitzern ein Modell, M.1:50.

NOVEMBER 1980
   

Die Verträge zwischen APAC und HMG sind verschwunden, keiner blickt durch. Nepal-Botschaft Bonn benötigt Unbedenklichkeitsbescheinigung für Jochen Reier – ansonsten keine erneute Unterschriften der Verträge. zwischen APAC, IGA u. NEPAL. Jedoch wollen weder IGA noch NEPAL irgendwelche Kosten übernehmen. Schreiben der APAC an Außenminister Genscher mit der Bitte um finanzielle Hilfe. Wird abgelehnt.

APRIL 1981     

Schreiben an den Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Bitte, bei der Beschaffung eines Darlehens von 150.000 Mark behilflich zu sein. Wird abgelehnt.

JANUAR 1981   


Besprechung IGA / APAC Kostenvorschlag ca. 1 Million DM. Jochen Reier schlägt Drittelparität vor. Geteilte Kosten.

JULI 1981
   

Die Verträge sind immer noch nicht unterschrieben, Bonn redet sich auf Nepal raus und umgekehrt.  J. Reier  kontaktiert den König Birendra Bir Bikram Shah Dev. Dieser macht die Friedens-Pagode sogleich zu seinem “Beloved Child“, zumal er erst kürzlich durch die UN Nepal zu einer INTERNATIONALEN FRIEDENSZONE erklärt hat. (1971-DECLARATION OF INTERNATIONAL ZONE OF PEACE - ZoP).

AUGUST 1981
  

J. Reier wird offiziell von HMG of Nepal, Ministry of Foreign Affairs, mit der Durchführung des Pagodenprojekts betraut (Commissaire General). Dennoch beteiligt sich Nepal in keiner Weise an den Kosten, fungiert aber als offizieller Teilnehmer gegenüber der IGA.

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OKTOBER 1981      

Die nepalesische Bürokratie erweist sich als noch wesentlich breiiger, als die unserige. Endlose Rennerei in verschiedene Ministerien. Was King Birendra souverän und unkompliziert verordnete, wird nun im Kleinen verwurstelt und eher behindert. Keiner will Verantwortung tragen, teilweise herrscht Eifersucht und Neid, weil no Bakschisch! Letztlich aber, setzt J. Reier sein 12-Punkteprogramm durch zähes Verhandeln durch. Um die wichtigsten zu benennen: Alleinige Besitz- u. Nutzungsrechte (kommerziell). Totale Steuerbefreiung, Import von zollfreien  PKW, LKW und Maschinen, sowie Arbeitsvisa vom Außenministerium für alle APAC-Mitarbeiter.

NOVEMBER 1981      


J. Reier, kaum zurück in München, organisiert die Überführung von 3 LKWs plus Jeep nach Kathmandu, sowie ein Filmteam für die geplante Filmdokumentation. Arriflex leiht günstig eine 16 mm Filmkamera. Futji liefert Filmmaterial zu Selbstkosten. Filmteam reist im ersten LKW mit, der Jeep im zweiten LKW. Die normalerweise 4-wöchige Reise wird ein Alptraum von 2 Monaten. Eigentlich geht alles schief, zu allem Übel erteilt der Iran keine Transitvisa. 2 Wochen stehen alle (12) frierend an der türkisch-iranischen Grenze rum. J. Reier muss von Ankara nach Bonn fliegen, um mit politischem Druck doch noch die Visa zu erhalten. Abmagerungskur!

JANUAR 1982    


J. Reiers Frau, Gigi ist hochschwanger nach Kathmandu geflogen, Tochter Sano Julie wird im Februar geboren. J. Reier verbringt 3 Monate in verschieden Dschungelteilen Nepals um passendes Holz zu schlagen. bzw. im Terai (Flachland Nepals) das Holz in Sägewerken zuzuschneiden. Heerscharen von Moskitos, Ungeziefer, Ratten und Schlangen, sowie mörderische Hitze! Endlich kann das maßgerechte Holz auf 3 LKW der Staatl. Timber Corporation rauf nach Kathmandu transportiert werden, wo wir es im Forstministerium abholen sollen. Aber keiner der 3 LKW wird dort jemals ankommen, 30 Kubik Edelholz sind spurlos verschwunden. Nicht einmal der Palast interne Geheimapparatus hat eine Spur. Damit ist das Projekt erst einmal geplatzt! (Jahre danach kam heraus, dass der damalige Prinz und spätere König Gynendra sich das Holz für den Ausbau seiner Gemächer unter den Nagel gerissen hatte.) Zwar rollen Köpfe im Forst-Ministerium, aber erst ein persönlicher Kontakt J. Reiers zum König Birendra wendet die Misswirtschaft. APAC erhält erneut Genehmigung, diesmal aus dem Privatbesitz des Königs Holz zu schlagen. Nebenher Dramen mit dem Filmteam, da sich heraus stellt, dass sie einen eigenen, ganz anderen Film drehen, auf APAC’s Kosten. Auch das vertraglich zugesagte Darlehen von Peter Helfer (Pitti) kommt nicht nach Kathmandu, APAC muss die 3 LKW verkaufen, damit das Holz und die Schnitzarbeiten bezahlt werden können, damit was weiter geht. J. Reier organisiert erneut Holz, dieses Mal fährt er es selbst zu den Schnitzbetrieben. Danach fliegt er nach München um den von Mercedes zur Verfügung gestellten Container-LKW alleine nach Kathmandu zu fahren. Vorher sucht er Pitti in Berlin und Bielefeld, findet ihn zum Schluss auf seiner Segelyacht auf Grand Canaria. Knete hat der Millionärssohn und Playboy KEINE.

MÄRZ 1982
  

Die eilige 12-Tagesreise nach Nepal empfindet J. Reier als einen Erholungstrip, weil er allein auf sich gestellt keinerlei Schwierigkeiten hat. Er wird auch nach und nach die ersten vier Container mit sämtlichen Pagodenteilen selbst nach Kalkutta transportieren. Zu wertvoll ist die Fracht!

APRIL 1982


Ausarbeiten der NEPAL-Nationenwoche während der IGA. 1000 Quadratmeter! Ochsenkarren, Rikschas, Teppich-Knüpfrahmen und, und, und werden besorgt. Die Verträge sind immer noch nicht unterzeichnet.

MAI 1982       

Die Schnitzereien nehmen Form an. Kein Geld für neues Filmteam und täglich 200 Mark teuere Arriflex-Kamera. Die DOKU wird nun von Vorstand Reier mit einer 16mm Bolex-Kamera selbst gedreht, die ein guter Freund ihm leiht. Assistent Gerd Lange hilft dabei. J.Reier schließt Verträge mit nepalesischen Geschäftsleuten für Handycrafts zur Refinanzierung des Projekts. Kampf mit Nepal-Behörden (Zoll u. Finanzdirektion). Kampf auch mit Nepalesischen Exporteuren, die APAC zumindest die Exklusiv-Rechte des Warenverkaufs in der IGA streitig machen wollen.  Die Bronze-Glocke, Tempel-Tiere werden gegossen. Alle Messingdachverzierungen sind fertig.

JUNI 1982  
   

Finanzierungsprobleme werden mit dem Verkauf von J. Reier‘s Haus in Kathmandu überbrückt. Es wird fleißig weitergeschnitzt. Ca. 300 Schnitzer, Schreiner, Bronzegießer und Metallarbeiter sind beschäftigt. Wettlauf mit der Zeit, um die, durch die Holzklauerei entstandene dreimonatige Verspätung aufzuholen.  J. Reier klappert alle in Kathmandu ansässigen Botschaften ab. Sie alle haben Güter vom indischen Hafen Kalkutta nach Kathmandu zu transportieren. APAC hat Exlusiv-Rechte, die Transporte verplombt  bis nach Kathmandu zu befördern und finanziert mit diesen hohen Transport-Gewinnen den eigentlichen Pagoden-Transport nach Kalkutta. HAPAC LLOYD verbringt unsere Container nach Hamburg, zum Selbstkostenpreis, Schenker fungiert als Schiffsagent.

JULI 1982  


Die Ladung der ersten Fahrt runter nach Kalkutta beinhaltet die innere Pagoden-Konstruktion, acht Meter lange, fein geschnitzte Balken. Da sie nicht in die Container passen, werden sie auf das Chassis des LKWs mit Stahlseilen vertäut, nachdem sie mit Flaschenzügen und Schweißnähten gesichert wurden. Sämtliche Bauteile müssen vorher vom archäologischen Department gesiegelt werden. Nur so kann exportiert werden. Antiquitäten, älter als 100 Jahre dürfen Nepal nicht verlassen. Die Museumsleute wollen daher unsere Balken von allen Seiten begutachten, was technisch nicht möglich ist. 24 Stück x 400 KG, einzeln zum Museum bringen, unmöglich. Sämtliche Frachtpapiere werden erstellt, jedes, selbst Fitzelstück muss in genauen Maßen und Gewicht erfasst sein. Es gibt Schwierigkeiten für die Durchfahrt in Indien mit deutschem Container-LKW. Fracht darf nur von indischen Transporteuren durchgeführt werden. Endloses Palaver zwischen Jochen Reier  und indischem Botschafter, sowie dem Transportministerium. Letztlich setzt sich unser Vorstand durch, hat den König direkt hinter sich! Unser LKW erhält eine Nepalesische Diplomaten-Nummer des ROYAL PALACE,, damit kommt man überall hin.  

14. JULI 1982 


Abfahrt des ersten Containers nach Kalkutta. Endlich sind die wichtigsten Bauteile unterwegs, in 3 Monaten, im Oktober werden sie hoffentlich in München sein. Viel zu spät für einen reibungslosen Aufbau im Herbst, wir müssen nun den ganzen Winter über bauen. Bei all den  direkten Kontakten zu den Ministerien mit zugeteiltem Staats-Sekretär des Außenministeriums (For Special Affairs), spaziert unser Vorstand da ein und aus, die Deutsche Botschaft wäre hier nur hinderlich gewesen. Deren formelle Anträge werden nicht einmal gelesen, klagte der Botschafter.  

17. JULI
1982     

Ankunft in Kalkutta, schweißtriefende Rennerei zwischen Reederei, Agenten und Hafen. Papierkrieg ohne Ende, kein Kran zum Verladen. Keine Zollleute. Keine Dockarbeiter. Unser Vorstand flippt schon mal aus, bei dem ewigen Streiken im kommunistischen Bengal.

 24. JULI 1982       

Gepriesen sei’s, der Container ist verladen!

25. JULI
1982     

Abfahrt mit neuem Container und geladener Fracht für die Schweizer Botschaft in Kathmandu. 

5. AUGUST 1982    

Jochen Reier kommt in Kathmandu an, nach einer Horrorfahrt mit vom Chassis gefallenem Container (15 Tonnen) und einer bei nächtlichem Überfall zerschossener Frontscheibe, sowie eigenen Verletzungen.

9. AUGUST
1982          

Zweite Ladung soll gesiegelt werden, erneut Ärger mit Museumsleuten. Wiederholte Rennerei zu sämtlichen Ministerien. Unser Vorstand lässt verlauten, diese Bürokratie entspräche gleich mehreren Raubüberfällen auf einmal.

15. AUGUST 1982     

Geladen, viel zu spät. Überstürzte Abfahrt nach Kalkutta.

26. AUGUST 1982   

Das HAPAC-Lloyd-Schiff nach Nonstop-Fahrt grade noch erwischt.

7.  SEPTEMBET 1982      

 
Abfahrt mit geladener Fracht für die deutsche Botschaft unterliegt.

11.
SEPTEMBET 1982         

Ankunft Kathmandu. Schnitzereien sind noch nicht komplett. Auch die Bronzetiere sind noch nicht fertig.

21.
SEPTEMBET 1982    bis  5. OKTOBER 1982   

Laden und Siegeln des dritten Containers.

9.
OKTOBER 1982           

Ankunft Kalkutta. Die Pagodenteile sind nun alle verschifft.

15. OKTOBER 1982          

Vorstand Reier fliegt nach Hamburg um das Entladen des ersten Containers filmisch fest zu halten. Transport nach München aufs IGA-Gelände.

27.
OKTOBER 1982          

Beginn der Aufbauphase. Der Container wird mit einem Kran entladen. Die Fußfetten der Friedens-Pagode werden  verankert, ein Gerüst wird gesetzt. Die IGA glaubt kaum, dass APAC den Aufbau rechtzeitig fertig stellen kann. Der Herbst ist vorbei und es wird bald lausig kalt. 

9. NOVEMBER 1982          


Die ersten Säulen werden aufgestellt, es wird ernst. Zwei nepalesische Fachkräfte sind mit in München dabei, die Pagode nach alter Tradition zu errichten. Muni ist Schnitzer und Puni Zimmermann. Selbst in Eis und Schnee wird weiter gebaut, den gesamten Winter hindurch. Fertigstellung:  Eine Stunde vor IGA-Beginn. Sogar viele Nächte wurde hindurch gearbeitet.  

TECHNISCHE DATEN:

7.00 x 7.00 m Grundfläche, 11.00 x 11.00 m unteres Dach, 6.00 x 6.00 m oberes Dach, Gesamthöhe 12 m. GEWICHT: 80 Tonnen. Zwei Stockwerke mit zusammen 48 geschnitzten Säulen und 48 Kehlbalken (Götterfiguren) werden mit 76 Bronzeglocken u. der Tempelspitze (Gajur Blattvergoldet) verziert. HOLZ: Dalberchia Sisso, die Fetten bestehen aus Salwood, beides härter als Eiche. Ca. 1 Million Arbeitsstunden insgesamt ließ die Pagode wachsen!   Ausführendes Organ: APAC und viele Freunde. Idee u. Gesamtkonzeption, sowie Mädchen für ALLES: Jochen Reier, Architekt, Vorstand APAC
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